Das hochrangige Konzert mit dem „Einspringer“ Jukka-Pekka Saraste musste in den Kuppelbau ausweichen

 

Über Jahre startete die Sächsische Staatskapelle ihre Saison mit einem Gastkonzert des Gustav-Mahler-Jugendorchesters, um den Profis von Morgen im Rahmen der seit 2012 bestehenden Patenschaft eine herausragende Präsentation ihres Könnens zu ermöglichen.

Zu Beginn der Saison musste das Konzert in der bezüglich der Klangentwicklung schwierigen Frauenkirche stattfinden, da sowohl in der Semperoper, als auch im Konzertsaal des Kulturpalastes noch Instandhaltungsarbeiten ausgeführt wurden.

Während die Partituren der Symphonien Anton Bruckners (1824-1896) der Nummer 5 B-Dur aus dem Jahre 1875 und der Nummer 6 A-Dur aus den Jahren 1879 bis 1881 noch ohne Uraufführung  in Graz bzw. in Wien schlummerten, erfolgte die Uraufführung der vom September 1881 bis zum September 1883 komponierten 7.Symphonie bereits am 30. Dezember 1884 in Leipzig durch den damals 29-jährigen Kapellmeister des „Neuen TheatersArthur Nikisch (1855-1922) mit Musikern des Gewandhausorchesters.

In Wien hatte die Komposition Bruckners wenig Interesse gefunden, so dass, als 1883 der Pianist und Bruckner-Schüler Joseph Schalk (1857-1900) nach Leipzig gekommen war und er eine „vierhändige Klavier-Bearbeitung von Bruckners Siebter Symphonie“ im Gepäck mitführte, er die Symphonie Nikisch vorstellen konnte. Der Theater-Kapellmeister fing sofort Feuer und verkündete, das Werk zur Aufführung bringen zu wollen.

Mit einem intensiven Briefwechsel zwischen dem sechzigjährigen Bruckner und dem kaum halb so alten Nikisch sowie den Querelen zwischen Gewandhaus und Oper, kamen die Vorbereitungen zäh voran. Kurz vor Jahres Schluss 1884 erfolgte die Uraufführung der Symphonie als Konzert zu Gunsten des Wagner-Denkmalfonds. Bruckner war extra wegen des Konzertes am 27. Dezember in Leipzig angereist.

Eine gedruckte Partitur stand noch nicht zur Verfügung, so dass Nikisch die Uraufführung aus einem „Autograph“, einer Arbeitspartitur Bruckners mit allerhand Überarbeitungen und Anmerkungen von der Hand des Komponisten, dirigieren musste.

Wie heute über diese „Uraufführung“ geurteilt würde und wie zufrieden der Komponist mit Nikischs Interpretation war, kann nur vermutet werden. Der Kritiker der „Leipziger Nachrichten“ Bernhard Vogel schrieb am 1. Januar 1885: „Das Werk fordert die höchste Bewunderung“ Sicher ist, dass Bruckner unzufrieden war, dass in Leipzig keine Wagner-Tuben für die nach Wagners Tod nachkomponierte Coda des Adagios zur Verfügung standen. Die Wagner-Tuba, eigentlich eher eine Horn-Variante, mit ihrem runden, satt-warmen irgendwo zwischen Horn und Posaune angesiedeltem Klang, wird bevorzugt in vierer- oder achter- Gruppen eingesetzt, liefert besondere Hörerlebnisse.

Gesichert ist, dass Nikisch im Adagio den Effekt eines Beckenschlags, unterstützt von Pauken und Triangel, dem ihm zugänglichen Notenmaterials zugefügt hatte und damit in der Bruckner-Rezeption einen regelrechten Glaubenskrieg entfesselte.

Ob der „Beckenschlag“ mit Bruckner abgestimmt war, bleibt unklar. Gesichert ist aber, dass „Beckenschlag, Pauken und Triangel“ mit Bruckners Zustimmung in den von Joseph Schalk sorgfältig überwachten Erstdruck der Partitur der Siebten Bruckners aufgenommen worden ist.

In Leipzig erfolgten bei „Engelmann & Mühle“ das Stechen der Partitur-Druckplatten nach einer „Reinschrift“, die sich heute als „Handschrift 19479“ in der Wiener Nationalbibliothek befindet, sowie wahrscheinlich auch der Druck der Partitur-Noten. Als Verleger des Erstdruckes war der Wiener Konzertagent und Musikalienhändlers Albert J. Gutmann (1852-1915) wirksam.

Die Aufführung seiner siebten Symphonie in München durch Hermann Levi (1839-1900), dabei aber mit Wagner-Tuben, dürfte den Komponisten befriedigt und den Durchbruch der „Siebten“ sowie des Symphonikers Anton Bruckner gesichert haben.

 

Am 29. August 2022 hatte der finnische Dirigent Jukka-Pekka Saraste die Aufgabe, diesen Monolithen gemeinsam mit dem Gustav-Mahler-Jugendorchester unter der Kuppel der Frauenkirche zu bearbeiten.

Ursprünglich war Herbert Blomstedt als Dirigent dieses Konzertes benannt worden. Ein Unfall des 95-Jährigen zwang ihn allerdings zu einer Konzertpause. Blomstedt als häufig in Dresden gastierender Musiker kennt natürlich die Tücken der Klangverbreitung im Kuppelbau. Wie aber wird sich der designierte Chefdirigent des „Helsinki Philharmonic Orchestra“ mit dem ungewöhnlich langen Nachhall auseinandersetzen können?

Zunächst war es auch beeindruckend, wie der finnische Maestro mit den komplexen Bedingungen zurechtkam.

Fast kammermusikalisch ließ Saraste die Melodie des Hauptthemas des Allegro moderato aus der Tiefe aufsteigen. Erst nach und nach trat das gesamte Orchester hinzu und entwickelte aus der warmen dunklen Streichermelodie eine zurückhaltende gemessene Holzbläserdramatik, ohne dabei zu schleppen.

Die Zurückhaltung opferte zwar manche Feinheit der Partitur, kam aber dem Gesamteindruck entgegen.

Das Adagio stützte Saraste vor allem auf den prachtvoll-üppichen Streicherteppich des Gustav-Mahler-Jugendorchesters und ließ die Bläser nur zurückhaltend ergänzen. Die Wagner-Trompeten konnte man fast nur sehen und auch der ominöse Beckenschlag blieb ein vor allem optisches Ereignis.

Das Vertrauen auf Melodie und Kantabilität der Partitur, die Beschränkung auf den monumentalen Klagegesang mit dem düsteren Beginn und dem feierlichen Ende waren dem Gesamteindruck nur zuträglich.

Ob nun Saraste das wundervolle  Ländler-Imitat des Scherzos, das wilde Karussell schöner Details nicht einem zurückhaltenden Rhythmus opfern wollte? Jedenfalls löste er im dritten Satz die Zügel, so dass sich der „Frauenkirche-typische Klangbrei“ aus der Kuppel auf das Auditorium herabstürzte. Ein Aufbranden und Verebben großer Gefühle war mit dem extremen Nachhall einfach nicht zu erreichen.

Zu meinem Bedauern fand Saraste auch im Finale mit der „für den schwerblütigen Bruckner-fröhlichster Musik“ nur begrenzt zum Konzept des Kopfsatzes zurück, so dass für mich der zwiespältige Eindruck blieb.

Den Konzertbesuchern hatte es gefallen, so dass der Dirigent und das Orchester frenetisch gefeiert wurden.

Thomas Thielemann

 

Autor des Bildes: © Oliver Killig

 

 

Das hochrangige Konzert mit dem „Einspringer“ Jukka-Pekka Saraste musste in den Kuppelbau ausweichen

 

Über Jahre startete die Sächsische Staatskapelle ihre Saison mit einem Gastkonzert des Gustav-Mahler-Jugendorchesters, um den Profis von Morgen im Rahmen der seit 2012 bestehenden Patenschaft eine herausragende Präsentation ihres Könnens zu ermöglichen.

Zu Beginn der Saison musste das Konzert in der bezüglich der Klangentwicklung schwierigen Frauenkirche stattfinden, da sowohl in der Semperoper, als auch im Konzertsaal des Kulturpalastes noch Instandhaltungsarbeiten ausgeführt wurden.

Während die Partituren der Symphonien Anton Bruckners (1824-1896) der Nummer 5 B-Dur aus dem Jahre 1875 und der Nummer 6 A-Dur aus den Jahren 1879 bis 1881 noch ohne Uraufführung  in Graz bzw. in Wien schlummerten, erfolgte die Uraufführung der vom September 1881 bis zum September 1883 komponierten 7.Symphonie bereits am 30. Dezember 1884 in Leipzig durch den damals 29-jährigen Kapellmeister des „Neuen TheatersArthur Nikisch (1855-1922) mit Musikern des Gewandhausorchesters.

In Wien hatte die Komposition Bruckners wenig Interesse gefunden, so dass, als 1883 der Pianist und Bruckner-Schüler Joseph Schalk (1857-1900) nach Leipzig gekommen war und er eine „vierhändige Klavier-Bearbeitung von Bruckners Siebter Symphonie“ im Gepäck mitführte, er die Symphonie Nikisch vorstellen konnte. Der Theater-Kapellmeister fing sofort Feuer und verkündete, das Werk zur Aufführung bringen zu wollen.

Mit einem intensiven Briefwechsel zwischen dem sechzigjährigen Bruckner und dem kaum halb so alten Nikisch sowie den Querelen zwischen Gewandhaus und Oper, kamen die Vorbereitungen zäh voran. Kurz vor Jahres Schluss 1884 erfolgte die Uraufführung der Symphonie als Konzert zu Gunsten des Wagner-Denkmalfonds. Bruckner war extra wegen des Konzertes am 27. Dezember in Leipzig angereist.

Eine gedruckte Partitur stand noch nicht zur Verfügung, so dass Nikisch die Uraufführung aus einem „Autograph“, einer Arbeitspartitur Bruckners mit allerhand Überarbeitungen und Anmerkungen von der Hand des Komponisten, dirigieren musste.

Wie heute über diese „Uraufführung“ geurteilt würde und wie zufrieden der Komponist mit Nikischs Interpretation war, kann nur vermutet werden. Der Kritiker der „Leipziger Nachrichten“ Bernhard Vogel schrieb am 1. Januar 1885: „Das Werk fordert die höchste Bewunderung“ Sicher ist, dass Bruckner unzufrieden war, dass in Leipzig keine Wagner-Tuben für die nach Wagners Tod nachkomponierte Coda des Adagios zur Verfügung standen. Die Wagner-Tuba, eigentlich eher eine Horn-Variante, mit ihrem runden, satt-warmen irgendwo zwischen Horn und Posaune angesiedeltem Klang, wird bevorzugt in vierer- oder achter- Gruppen eingesetzt, liefert besondere Hörerlebnisse.

Gesichert ist, dass Nikisch im Adagio den Effekt eines Beckenschlags, unterstützt von Pauken und Triangel, dem ihm zugänglichen Notenmaterials zugefügt hatte und damit in der Bruckner-Rezeption einen regelrechten Glaubenskrieg entfesselte.

Ob der „Beckenschlag“ mit Bruckner abgestimmt war, bleibt unklar. Gesichert ist aber, dass „Beckenschlag, Pauken und Triangel“ mit Bruckners Zustimmung in den von Joseph Schalk sorgfältig überwachten Erstdruck der Partitur der Siebten Bruckners aufgenommen worden ist.

In Leipzig erfolgten bei „Engelmann & Mühle“ das Stechen der Partitur-Druckplatten nach einer „Reinschrift“, die sich heute als „Handschrift 19479“ in der Wiener Nationalbibliothek befindet, sowie wahrscheinlich auch der Druck der Partitur-Noten. Als Verleger des Erstdruckes war der Wiener Konzertagent und Musikalienhändlers Albert J. Gutmann (1852-1915) wirksam.

Die Aufführung seiner siebten Symphonie in München durch Hermann Levi (1839-1900), dabei aber mit Wagner-Tuben, dürfte den Komponisten befriedigt und den Durchbruch der „Siebten“ sowie des Symphonikers Anton Bruckner gesichert haben.

 

Am 29. August 2022 hatte der finnische Dirigent Jukka-Pekka Saraste die Aufgabe, diesen Monolithen gemeinsam mit dem Gustav-Mahler-Jugendorchester unter der Kuppel der Frauenkirche zu bearbeiten.

Ursprünglich war Herbert Blomstedt als Dirigent dieses Konzertes benannt worden. Ein Unfall des 95-Jährigen zwang ihn allerdings zu einer Konzertpause. Blomstedt als häufig in Dresden gastierender Musiker kennt natürlich die Tücken der Klangverbreitung im Kuppelbau. Wie aber wird sich der designierte Chefdirigent des „Helsinki Philharmonic Orchestra“ mit dem ungewöhnlich langen Nachhall auseinandersetzen können?

Zunächst war es auch beeindruckend, wie der finnische Maestro mit den komplexen Bedingungen zurechtkam.

Fast kammermusikalisch ließ Saraste die Melodie des Hauptthemas des Allegro moderato aus der Tiefe aufsteigen. Erst nach und nach trat das gesamte Orchester hinzu und entwickelte aus der warmen dunklen Streichermelodie eine zurückhaltende gemessene Holzbläserdramatik, ohne dabei zu schleppen.

Die Zurückhaltung opferte zwar manche Feinheit der Partitur, kam aber dem Gesamteindruck entgegen.

Das Adagio stützte Saraste vor allem auf den prachtvoll-üppichen Streicherteppich des Gustav-Mahler-Jugendorchesters und ließ die Bläser nur zurückhaltend ergänzen. Die Wagner-Trompeten konnte man fast nur sehen und auch der ominöse Beckenschlag blieb ein vor allem optisches Ereignis.

Das Vertrauen auf Melodie und Kantabilität der Partitur, die Beschränkung auf den monumentalen Klagegesang mit dem düsteren Beginn und dem feierlichen Ende waren dem Gesamteindruck nur zuträglich.

Ob nun Saraste das wundervolle  Ländler-Imitat des Scherzos, das wilde Karussell schöner Details nicht einem zurückhaltenden Rhythmus opfern wollte? Jedenfalls löste er im dritten Satz die Zügel, so dass sich der „Frauenkirche-typische Klangbrei“ aus der Kuppel auf das Auditorium herabstürzte. Ein Aufbranden und Verebben großer Gefühle war mit dem extremen Nachhall einfach nicht zu erreichen.

Zu meinem Bedauern fand Saraste auch im Finale mit der „für den schwerblütigen Bruckner-fröhlichster Musik“ nur begrenzt zum Konzept des Kopfsatzes zurück, so dass für mich der zwiespältige Eindruck blieb.

Den Konzertbesuchern hatte es gefallen, so dass der Dirigent und das Orchester frenetisch gefeiert wurden.

Thomas Thielemann

 

Autor des Bildes: © Oliver Killig

 

 

Das hochrangige Konzert mit dem „Einspringer“ Jukka-Pekka Saraste musste in den Kuppelbau ausweichen

 

Über Jahre startete die Sächsische Staatskapelle ihre Saison mit einem Gastkonzert des Gustav-Mahler-Jugendorchesters, um den Profis von Morgen im Rahmen der seit 2012 bestehenden Patenschaft eine herausragende Präsentation ihres Könnens zu ermöglichen.

Zu Beginn der Saison musste das Konzert in der bezüglich der Klangentwicklung schwierigen Frauenkirche stattfinden, da sowohl in der Semperoper, als auch im Konzertsaal des Kulturpalastes noch Instandhaltungsarbeiten ausgeführt wurden.

Während die Partituren der Symphonien Anton Bruckners (1824-1896) der Nummer 5 B-Dur aus dem Jahre 1875 und der Nummer 6 A-Dur aus den Jahren 1879 bis 1881 noch ohne Uraufführung  in Graz bzw. in Wien schlummerten, erfolgte die Uraufführung der vom September 1881 bis zum September 1883 komponierten 7.Symphonie bereits am 30. Dezember 1884 in Leipzig durch den damals 29-jährigen Kapellmeister des „Neuen TheatersArthur Nikisch (1855-1922) mit Musikern des Gewandhausorchesters.

In Wien hatte die Komposition Bruckners wenig Interesse gefunden, so dass, als 1883 der Pianist und Bruckner-Schüler Joseph Schalk (1857-1900) nach Leipzig gekommen war und er eine „vierhändige Klavier-Bearbeitung von Bruckners Siebter Symphonie“ im Gepäck mitführte, er die Symphonie Nikisch vorstellen konnte. Der Theater-Kapellmeister fing sofort Feuer und verkündete, das Werk zur Aufführung bringen zu wollen.

Mit einem intensiven Briefwechsel zwischen dem sechzigjährigen Bruckner und dem kaum halb so alten Nikisch sowie den Querelen zwischen Gewandhaus und Oper, kamen die Vorbereitungen zäh voran. Kurz vor Jahres Schluss 1884 erfolgte die Uraufführung der Symphonie als Konzert zu Gunsten des Wagner-Denkmalfonds. Bruckner war extra wegen des Konzertes am 27. Dezember in Leipzig angereist.

Eine gedruckte Partitur stand noch nicht zur Verfügung, so dass Nikisch die Uraufführung aus einem „Autograph“, einer Arbeitspartitur Bruckners mit allerhand Überarbeitungen und Anmerkungen von der Hand des Komponisten, dirigieren musste.

Wie heute über diese „Uraufführung“ geurteilt würde und wie zufrieden der Komponist mit Nikischs Interpretation war, kann nur vermutet werden. Der Kritiker der „Leipziger Nachrichten“ Bernhard Vogel schrieb am 1. Januar 1885: „Das Werk fordert die höchste Bewunderung“ Sicher ist, dass Bruckner unzufrieden war, dass in Leipzig keine Wagner-Tuben für die nach Wagners Tod nachkomponierte Coda des Adagios zur Verfügung standen. Die Wagner-Tuba, eigentlich eher eine Horn-Variante, mit ihrem runden, satt-warmen irgendwo zwischen Horn und Posaune angesiedeltem Klang, wird bevorzugt in vierer- oder achter- Gruppen eingesetzt, liefert besondere Hörerlebnisse.

Gesichert ist, dass Nikisch im Adagio den Effekt eines Beckenschlags, unterstützt von Pauken und Triangel, dem ihm zugänglichen Notenmaterials zugefügt hatte und damit in der Bruckner-Rezeption einen regelrechten Glaubenskrieg entfesselte.

Ob der „Beckenschlag“ mit Bruckner abgestimmt war, bleibt unklar. Gesichert ist aber, dass „Beckenschlag, Pauken und Triangel“ mit Bruckners Zustimmung in den von Joseph Schalk sorgfältig überwachten Erstdruck der Partitur der Siebten Bruckners aufgenommen worden ist.

In Leipzig erfolgten bei „Engelmann & Mühle“ das Stechen der Partitur-Druckplatten nach einer „Reinschrift“, die sich heute als „Handschrift 19479“ in der Wiener Nationalbibliothek befindet, sowie wahrscheinlich auch der Druck der Partitur-Noten. Als Verleger des Erstdruckes war der Wiener Konzertagent und Musikalienhändlers Albert J. Gutmann (1852-1915) wirksam.

Die Aufführung seiner siebten Symphonie in München durch Hermann Levi (1839-1900), dabei aber mit Wagner-Tuben, dürfte den Komponisten befriedigt und den Durchbruch der „Siebten“ sowie des Symphonikers Anton Bruckner gesichert haben.

 

Am 29. August 2022 hatte der finnische Dirigent Jukka-Pekka Saraste die Aufgabe, diesen Monolithen gemeinsam mit dem Gustav-Mahler-Jugendorchester unter der Kuppel der Frauenkirche zu bearbeiten.

Ursprünglich war Herbert Blomstedt als Dirigent dieses Konzertes benannt worden. Ein Unfall des 95-Jährigen zwang ihn allerdings zu einer Konzertpause. Blomstedt als häufig in Dresden gastierender Musiker kennt natürlich die Tücken der Klangverbreitung im Kuppelbau. Wie aber wird sich der designierte Chefdirigent des „Helsinki Philharmonic Orchestra“ mit dem ungewöhnlich langen Nachhall auseinandersetzen können?

Zunächst war es auch beeindruckend, wie der finnische Maestro mit den komplexen Bedingungen zurechtkam.

Fast kammermusikalisch ließ Saraste die Melodie des Hauptthemas des Allegro moderato aus der Tiefe aufsteigen. Erst nach und nach trat das gesamte Orchester hinzu und entwickelte aus der warmen dunklen Streichermelodie eine zurückhaltende gemessene Holzbläserdramatik, ohne dabei zu schleppen.

Die Zurückhaltung opferte zwar manche Feinheit der Partitur, kam aber dem Gesamteindruck entgegen.

Das Adagio stützte Saraste vor allem auf den prachtvoll-üppichen Streicherteppich des Gustav-Mahler-Jugendorchesters und ließ die Bläser nur zurückhaltend ergänzen. Die Wagner-Trompeten konnte man fast nur sehen und auch der ominöse Beckenschlag blieb ein vor allem optisches Ereignis.

Das Vertrauen auf Melodie und Kantabilität der Partitur, die Beschränkung auf den monumentalen Klagegesang mit dem düsteren Beginn und dem feierlichen Ende waren dem Gesamteindruck nur zuträglich.

Ob nun Saraste das wundervolle  Ländler-Imitat des Scherzos, das wilde Karussell schöner Details nicht einem zurückhaltenden Rhythmus opfern wollte? Jedenfalls löste er im dritten Satz die Zügel, so dass sich der „Frauenkirche-typische Klangbrei“ aus der Kuppel auf das Auditorium herabstürzte. Ein Aufbranden und Verebben großer Gefühle war mit dem extremen Nachhall einfach nicht zu erreichen.

Zu meinem Bedauern fand Saraste auch im Finale mit der „für den schwerblütigen Bruckner-fröhlichster Musik“ nur begrenzt zum Konzept des Kopfsatzes zurück, so dass für mich der zwiespältige Eindruck blieb.

Den Konzertbesuchern hatte es gefallen, so dass der Dirigent und das Orchester frenetisch gefeiert wurden.

Thomas Thielemann

 

Autor des Bildes: © Oliver Killig